Klaus Koppe
  Bioenergie auf Wachstumskurs
 


Klaus Koppe, Dagmar Juchelková und Kathrin Gebauer

 
Bioenergie auf Wachstumskurs
 
Aktuelle politische Ziele und Vorgaben auf nationaler und EU-Ebene zielen darauf ab, den Anteil erneuerbarer Energieträger an der Energieversorgung deutlich zu erhöhen. Biomasse könnte künftig nahezu 10 % des Bedarfs an Strom, Wärme und Kraftstoffen decken. Möglich ist ein verstärkter Einsatz in konventionellen Kraftwerken in Form der Mitverbrennung fester Biomassen. Zukunftsträchtig für die Stromerzeugung ist nach Ansicht von Fachleuten die Biomasse-Vergasung.
 
Auf dem Sektor der energetischen (thermischen) Nutzung von (fester) Biomasse gibt es seit 1995 eine Partnerschaft zwischen der VŠB-TU Ostrava und der TU Dresden, vor allem zur Analytik und zur Untersuchung des Verbrennungs- und Emissionsverhaltens. In diesem Beitrag werden gemeinsame Ergebnisse auf diesem Gebiet dargestellt.
 
Current policies and regulations at both national and EU level are aimed at a significant increase in the contribution of renewable energy sources to power supplies. Biomass could in future cover almost 10 % of the demand for electricity, heat and fuels. One possibility is the more widespread addition of solid biomass to the fuels used in conventional power stations. Experts see a strong future in power generation for biomass gasification.
 
VŠB-TU Ostrava and TU Dresden have maintained a partnership in the field of (thermal) power generation using (solid) biomass since 1995, addressing above all analytical techniques and studies of the combustion efficiency and emissions. This paper presents the joint results obtained from these investigations.
 
1 Einleitung
 
Unter den erneuerbaren Energien stellt jene aus Biomasse derzeit den größten Anteil. Jährlich werden allein in Deutschland in der Bioenergiebranche Gesamtumsätze von mehr als 2 Milliarden Euro erzielt. Der Markt für regenerative Energien boomt. Erschließung und Förderung von Alternativen zu den fossilen Brennstoffen haben zwischenzeitlich an herausragender Bedeutung gewonnen. Biomasse gilt als Hoffnungsträger, wenn es um eine umweltfreundliche und klimaverträgliche Energieversorgung geht. Praxisnahe Lösungen zu allen wichtigen Themenbereichen, von der Gewinnung und Aufbereitung, über die Lagerung und Distribution bis hin zur energetischen Verwertung sind gefragt. Etablierte Technologien (Stand der Technik) spielen dabei ebenso eine Rolle wie Optionen im Rahmen von Versuchs- und Demonstrationsanlagen. Im Bereich Biomasse-Vergasung und in der nachfolgenden Steuerung, Regelung und Motortechnik wird derzeit stark experimentiert und geforscht.
 
Die Ziele der Europäischen Union zum Klimaschutz und zur Energiepolitik befruchten den Markt. Derzeit wird 4 % des Energiebedarfs aus Biomasse gedeckt. Der im Dezember 2005 vorgestellte EU-Aktionsplan soll ihren Anteil bis 2010 verdoppeln.
 
Zum Endenergieverbrauch in Deutschland leistete die Bioenergie im Jahr 2005 den größten Beitrag aller erneuerbaren Energien. Im Wärmemarkt deckt die Biomasse mit etwa 76,5 Mrd. kWh über 90 % der Energiebereitstellung aus erneuerbaren Energien ab. Am gesamten Wärmeenergieverbrauch hat die Biomasse einen Anteil von rund 5 Prozent. Die Stromerzeugung aus fester Biomasse, Biogas, flüssigen Biobrennstoffen, Klärgas, Deponiegas und dem biogenen Anteil der thermischen Abfallverwertung erreichte  2005 ca. 13,1 Milliarden Kilowattstunden. Die Bioenergie hatte damit einen Anteil am Stromverbrauch von knapp 2,2 Prozent.

In der Tschechischen Republik sollen bis 2010 aus Biomasse 8 % des Bruttostromverbrauchs abgedeckt werden. Das Land hat ein entsprechendes Potenzial von rund 22 Millionen Tonnen im Jahr, noch nicht gerechnet weitere Aufkommen an Bioabfällen, Biogas, Deponiegas und Holz. Um den regenerativen Anteil deutlich zu erhöhen, wurde im August 2005 das "Gesetz über die Unterstützung der Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen" (180/2005 Sb.) verabschiedet. Es war der Startschuss für eine nachhaltigere Energienutzung in Tschechien.
 
 
2 Analyse und Eigenschaften

Bei der Produktion und Verwertung von Biobrennstoffen gibt es herkunftsbedingt beträchtliche Unterschiede, insbesondere in deren Eigenschaften. Sie verlangen für eine emissionsarme und störungsfreie thermische (energetische) Nutzung eine auf den jeweiligen Brennstoff optimal angepasste Anlagentechnik [1, 2].
 
Tabelle 1. Analysenwerte fester Biomassen (Auswahl)

 
Ein wesentlicher Fakt bei der thermischen Nutzung von Biomasse ist deren Qualität. Eine Bezahlung nach dem Energiegehalt (Heizwert) und nicht nach dem Gewicht sollte künftig Standard werden. Ihre Charakterisierung und Bewertung erfolgt über die chemischen und physikalischen Eigenschaften. Diese haben wesentlichen Einfluss auf deren Bereitstellungs- und Transportkosten, die Lagerdimensionierung, die Brennstofflogistik, die Konditionierung, die Feuerungs- und Rauchgasreinigungstechnologie, die erforderliche Anlagenregelung und die Ascheverwertungsmöglichkeiten.
 
Tabelle 2. ausgewählte Biomassen für die Verbrennungsrechnung 

Brennstoff
Heizwert
roh
in kJ/kg
Wasser
roh
in Gew.-%
Asche
wasserfrei
in Gew.-%
Kohlenstoff
wasserfrei
in Gew.-%
Wasserstoff
wasserfrei
in Gew.-%
Sauerstoff
wasserfrei
in Gew.-%
Altholz
15.656
9,9
0,97
48,28
6,64
44
Bagasse
14.830
10,2
5,41
45,76
5,48
42,6
Holzabfall aus Möbelproduktion
17.500
15
0,8
49,6
5,46
43,65
Kokosnussschalen
17.440
9,7
1,49
51,82
6,1
40,44
Miscanthus
18.200
12,4
2,6
50,6
5,7
40,4
Restholzabfälle
15.656
9,9
0,97
48,28
6,64
44
Sägespäne
12.400
33
0,34
48,7
5,7
45
Stroh
15.000
25
5,68
49,6
4,8
39,3
Tischlereiabfälle
17.500
15
0,8
49,6
5,46
43,65

 
 
Zu den wichtigsten Kriterien der Beurteilung gehört der Heizwert. Er ist ein Maß für die im Brennstoff gespeicherte Energie. Die Elementaranalyse gibt Aufschluss über die am Aufbau des Brennstoffes beteiligten Elemente und ermöglicht u. a. Rückschlüsse auf die zu erwartenden Emissionen. Die oxydierbaren Substanzen sind vorwiegend Kohlenstoff und Wasserstoff. Die Güte der Verbrennung und die Abgasemissionen werden neben dem Feuerungssystem und den Betriebsparametern wesentlich von den Brennstoffeigenschaften beeinflusst. Im Vergleich verschiedener biogener Brennstoffe untereinander, aber auch innerhalb gleicher Arten, zeigt die chemische Zusammensetzung große Unterschiede. Von jedem eingesetzten Brennstoff kann eine standardisierte, detaillierte Analyse durchgeführt werden. In Tabelle 1 sind eigene im kraftwerkschemischen Labor und aus der umfangreichen Literatur erfasste Analysenwerte widergegeben. Das Ascheschmelzverhalten wird nach DIN 51730 an einem Leitz-Erhitzungsmikroskop bestimmt. Die Probe wird zunächst nach DIN 51719 verascht und die entstandene Asche zu einem zylindrischen Probenkörper verpresst. Der Probenkörper wird anschließend in einem Ofen in oxidierender Atmosphäre erhitzt. Es wird die Erweichungstemperatur (Rundwerden der Kanten), die Halbkugeltemperatur (Grundlinie des Korpus ist doppelt so lang wie seine Höhe) und die Fließtemperatur (Probenkörper ist auf ein Drittel der ursprünglichen Höhe auseinander geflossen) bestimmt (Bild 1). Das Ascheschmelzverhalten lässt Rückschlüsse auf mögliche Verschlackungen im Feuerraum bzw. an den Heizflächen zu.
 
Der Feuchtigkeitsgehalt reduziert den Heizwert, da ein Teil der Energie für die Verdampfung des Wassers aufgewendet werden muss. Halmgüter besitzen einen sehr hohen Aschegehalt und der Erweichungspunkt ihrer Asche ist deutlich niedriger als bei Holzbrennstoffen. Getreidekörner enthalten durch den hohen Proteingehalt auch viel Stickstoff. 


 
Bild 1.Schmelzverlauf eines Probekörpers (beispielhaft)
 
Biomasse wird hauptsächlich in der Verstromung, der Heizung und Kühlung, der Wasserstoff- und Methanherstellung, der Herstellung von Kraftstoffen, in der chemischen Industrie, der Nahrungsmittelindustrie sowie der Papier- und Holzverarbeitungsindustrie eingesetzt. Biogene Brennstoffe zeichnen sich durch einen hohen Anteil an flüchtigen Bestandteilen aus. Organische Masse, insbesondere Stroh enthält geringe Mengen an Chlor, was zu großen Problemen wie z. B. Korrosion führen kann. Der Schmelzpunkt der Aschen ist vergleichsweise niedrig. Zu den Elementen mit Auswirkung auf den Schadstoffausstoß zählen vor allem Schwefel, Stickstoff, Staub und Chlor (als Begleitstoff von Düngemittel!). Bei der energetischen Verwertung (Verbrennung) setzen sich diese vornehmlich zu SO2, NOx und HCl um, so dass hier erhöhte Emissionen auftreten. Bei aschereichen Halmgütern ist mit hohen Staubfrachten zu rechnen. Nicht unerheblich ist die „Aufnahme“ von Schwermetallen in Abhängigkeit vom Standort, der Pflanzenart und der Expositionsdauer. Diese verbleiben nach der energetischen Nutzung in der Feuerraum- und Flugasche, werden zum Teil aber auch emittiert. Polychlorierte Dibenzo-p-dioxine (PCDD) und Dibenzofurane (PCDF), vereinfachend häufig "Dioxine" genannt, lassen sich mit einem erhöhten Chloreintrag erklären.
 

Durchaus vorkommende Fehler liegen weniger bei der Analyse selbst, als viel mehr bei der nicht korrekten Probenahme (DIN 51701: feste Brennstoffe; DIN 51750: flüssige Brennstoffe; DIN 51853: gasförmige Brennstoffe). Diese muss der Art, Zusammensetzung und Qualität des Brennstoffes entsprechen. Ein statistischer Mittelwert (Brennstoffband!) ist für die Dimensionierung einer Brennkammer durchaus ausreichend.
 
 
3 Verbrennungsrechnung
 
Die Verbrennungsrechnung, ein weiterer interessanter Aspekt zur Beurteilung des Brennstoffs und zur Lieferung von Daten für die Auslegung eines Dampferzeugers, ist heute Stand der Technik [2, 3]. Sie lässt sich mit Hilfe von Reaktionsgleichungen ausführen. Für ausgewählte (feste) Biomassen sind hinsichtlich ihrer chemisch-stofflichen Eigenschaften eine Reihe von Unterschieden zu erkennen (Tabelle 2). So schwankt der Heizwert zwischen 12.400 (Sägespäne) und 18.200 (Miscanthus) kJ/kg; der Wassergehalt zwischen 9,7 (Kokosnussschalen) und 33 (Sägespäne) Gew.-% und der Aschegehalt zwischen 0,34 (Sägespäne) und 5,68 (Stroh) Gew.-%. Halmgutbrennstoffe unterscheiden sich von Holzbrennstoffen aus verbrennungstechnischer Sicht vor allem durch höhere Aschegehalte. Die Kurven für das spezifische feuchte Rauchgasvolumen und die Mindestluftmenge können annähernd als geradlinige Funktion proportional dem Heizwert dargestellt werden (Bild 2). Mit zunehmender Feuchte wird zum einen die erforderliche Luftmenge vergrößert und zum anderen der Wasserdampfgehalt im Rauchgas erhöht.
 


Bild 2. spezifisches feuchtes Rauchgasvolumen und Mindestluftmenge als Funktion des Heizwertes
 

Bild 3. Korrelation zwischen adiabater und realer Verbrennungstemperatur und Heizwert
 
Die Verbrennungstemperatur ist eine zentrale Bestimmungsgröße für die Oxidationsmechanismen und damit für die Schadstoffbildung, aber auch für die Materialbeanspruchung und den Wirkungsgrad des Verbrennungsprozesses. Bei der Darstellung der Verbrennungstemperatur (Bild 3) sieht man, dass die Streuung wesentlich größer ist. Sie ist nicht nur abhängig vom Heizwert, sondern auch von der Wärmekapazität sowohl der Ausgangsstoffe als auch der Endprodukte der Verbrennungsreaktion. Unbeteiligte, aber anwesende Stoffe sollten dabei unbedingt mit berücksichtigt werden. Meist ist eine adiabate Betrachtung ungeeignet, da diese die Reaktionsgeschwindigkeit (sie gibt an, wie viele Teilchen pro Zeit in einer chemischen Reaktion umgesetzt werden) unberücksichtigt lässt. Diese Geschwindigkeit hängt aber von vielen Faktoren, wie z. B. der Konzentration, ab. Die Abweichungen zwischen adiabater und möglicher (realer) Verbrennungstemperatur betragen 165 K (bei Altholz bzw. Restholzabfälle) bis 200 K (bei Holzabfällen aus Möbelproduktion bzw. Tischlereiabfällen). 

Der Wassergehalt (grobe und hygroskopische Feuchtigkeit) hat einen entscheidenden Einfluss auf den Verbrennungsvorgang. Hohe Feuchtigkeit führt zu einem Heizwertverlust, setzt die Verbrennungstemperatur herab, erhöht den Abgasvolumenstrom und begünstigt einen unvollständigen Ausbrand. Dieser ist u. a. von der Feuerungstechnik (Feuerraumgestaltung, Verbrennungs- und Luftstufung, Regelungstechnik, Anlagendimensionierung), der Feuerungseinstellung (Brennstoffzufuhr, Luftverteilung, Luftmenge), dem Lastzustand (Teillast, Mittellast, Nennlast) und der Brennstoffbeschaffenheit (Stückigkeit, Feuchte, Ascheschmelzverhalten) abhängig. Da wasserfreie Biomasse in der Natur praktisch nicht vorkommt, müssen während der Verbrennung mehr oder weniger große Mengen an Feuchtigkeit verdampfen.
 
 
4 Untersuchungen zur Vergasung am Beispiel von Erdnussschalen
 
Die folgenden Untersuchungen wurden an der an der TU Dresden (Institut für Energietechnik) vorhandenen 75-kW-Festbettvergasungs-Pilotanlage (Bild 4) [4, 5, 6] durchgeführt. Als Referenzbrennstoff diente naturbelassenes Holz (lufttrocken; Größe < 2 cm; Dicke < 5 cm; Heizwert ca. 15 MJ/kg). Als Sekundärbrennstoff kamen Erdnussschalen (Tabelle 1) zum Einsatz. Die Erdnuss (Arachis hypogaea), auch Aschanti-, Arachis- oder Kamerunnuss, ist eine bis zu 80 cm hohe, buschige Nutzpflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae oder Leguminosae). Sie ist durch ihre hohen Nährstoffgehalte in den Samen eine für die menschliche Ernährung wertvolle Kulturpflanze. Neben der Bedeutung als Nahrungsmittel hat aber auch die energetische Nutzung an Einfluss gewonnen. Die rohfaserreichen Schalen (Hülsen) dienen als Brennmaterial, für die Papierherstellung und für die Herstellung von Dämmplatten. Eine gezielte Aufbereitung der Biomasse (Korngröße) vor dem Vergasungsprozess ist erforderlich. Nach Zerkleinerung und Trocknung zur Reduzierung des Wassergehaltes erfolgt die Klassierung. Nicht vernachlässigbar ist die Schüttdichte. Diese ist im vorliegenden Fall bei den Holzhackschnitzeln mit 140 kg/m3 etwa doppelt so hoch wie bei den Erdnussschalen mit etwa 60 kg/m3

Bild 4: 75-kW-Festbettvergasungs-Pilotanlage

 
Bild 5. Heizwert des Produktgases von Erdnussschalen
 

Bild 6. Zusammensetzung des Produktgases von Erdnussschalen
 
Der Vergasungsprozess ist sehr komplex. Erste Ergebnisse der Vergasung von Erdnussschalen liegen vor. Der Heizwert des Produktgases schwankt zwischen 3 und 6 MJ/Nm3 und liegt im Mittel bei 4 MJ/Nm3 (Bild 5). Die Zusammensetzung des Produktgases hängt von der Vergasungsatmosphäre (bei den vorliegenden Untersuchungen ist es die autotherme Vergasung mit Luft) ab. Dabei liegt der Anteil von CO und CO2 jeweils zwischen 11 und 22 Vol.-%, von H2 zwischen 6 und 15 Vol.-% und von CH4 zwischen 2 und 6 Vol.-% (Bild 6). Unter diesen Verbindungen leisten Wasserstoff, Kohlenmonoxid und Methan den wesentlichsten Beitrag zum Heizwert. Neben dem Produktgas entstehen feste Rückstände, wie Asche und nicht umgesetzter Kohlenstoff (Koks). Für die spätere thermische Nutzung des Gases ist eine Aufbereitung (Gasreinigung), besonders eine Entteerung, zwingend erforderlich.

 

Bild 7. O2-Messergebnisse über der Brennkammerhöhe bei 2 Leistungsstufen im Wirbelschichtkessel bei der Co-Verbrennung

 
 
  
 
5 Diagnostische Messungen an Wirbelschichtkesseln bei der Co- (Mit-)
Verbrennung
 
Hohe Erwartungen werden bei der Nutzung der Wirbelschicht-Verbrennung auch an die energetische (Mit-) Nutzung von Biomasse und Abfallstoffen geknüpft, da hier ein breites Brennstoffband genutzt werden kann.
 
In zunehmendem Maß interessieren sich die Kraftwerksbetreiber für Messergebnisse, die die Transparenz der Vorgänge, insbesondere in der Brennkammer betreffen; sie brauchen aber auch genauere Informationen über die Transportwege, um die Effizienz der Umwandlungsprozesse zu erhöhen. Das ermöglicht eine bessere Bewertung des Betriebsregimes und kann das Betriebsrisiko senken helfen [7, 8].
 
In der Tschechischen Republik wurden in den letzten Jahren fast 30 Wirbelschichtanlagen neu gebaut. Diese bedeuten ein großes Potential gerade zur Nutzung von Biomasse zur Co-Verbrennung. An zahlreichen in Betrieb befindlichen Anlagen (Auswahl siehe Tabelle 3) wurden diagnostische Messungen (Akkreditierungsvoraussetzungen waren erfüllt) durchgeführt, die u. a. Geschwindigkeits- und Temperaturprofile sowie Konzentrationen der Gaskomponenten über der Brennkammerhöhe bei unterschiedlichen Leistungen beinhalteten. Dazu wurden spezielle Sonden entwickelt und eingesetzt. Aus den Messwerten können Trends abgeleitet und daraus Prognosen für die Zukunft und Änderungen der Parameter erstellt werden. Wie die Versuchsergebnisse hinsichtlich der O2-Konzentration beispielsweise zeigen, wird die Brennkammer unsymmetrisch belastet (Bild 7). Zudem kann der Sauerstoffgehalt als Indikator und bedingte Einflussgröße für die Verbrennungstemperatur sowie der NOx- und CO-Gehalt für die Staubemission im Rauchgas und bedingt für die Schadstoffemissionen an SO2, HCl und Schwermetalle herangezogen werden. Außerdem zeigen die Messungen, dass die Wirbelschichtbetttemperatur den CO-Gehalt in den Abgasen beeinflusst. Mit steigender Temperatur nehmen die CO-Emissionen ab
(
Bild 8).
 
 
 
6 Große Zukunft für Bioenergie
 
Technisch sind heute für den Einsatz von Bioenergie kaum mehr Einschränkungen gegeben: Aus nachwachsenden Rohstoffen können gasförmige, flüssige und feste Energieträger für verschiedene Einsatzbereiche gewonnen werden. Anders als Wind- und Sonnenenergie ist Biomasse zudem ein Energielieferant unabhängig von Wettereinflüssen. Das wichtigste Kriterium bezüglich Wirtschaftlichkeit ist der Ertrag pro Hektar unter Berücksichtigung des aufgewendeten Energieeinsatzes. Doch nicht allein der beste Flächenertrag zählt, sondern auch die richtige und ausgewogene Fruchtfolge. So können heute in einem landwirtschaftlichen Betrieb, auch ohne die Gefahr einer Monokultur und damit einer Auslaugung der Böden, auf bis zu 100 Prozent der Flächen unterschiedliche nachwachsende Rohstoffe angebaut werden.
 
Tabelle 3. Untersuchte Wirbelschichtkessel mit Co-Verbrennung (Auswahl)

 
 
 Die Frage, wofür Biomasse eingesetzt werden soll, lässt sich je nach Zielsetzung unterschiedlich beantworten. Betriebswirtschaftlich, volkswirtschaftlich oder ökologisch betrachtet zeigen die zur Zeit am Markt verfügbaren regenerativen Energieträger sehr unterschiedliche Stärken und Schwächen.
 



Bild 8.
Einfluss der Wirbelschichtbetttemperatur auf die CO-Emission
 
Erneuerbare Energien entwickeln sich mehr und mehr zum Wachstumsmarkt und Jobmotor. Die Erzeugung von Bioenergie ist für viele Land- und Forstwirte inzwischen zu einem wichtigen wirtschaftlichen Standbein geworden. Auf Flächen, die aus der traditionellen landwirtschaftlichen Produktion ausscheiden müssen, kann unter ganz bestimmten Voraussetzungen Biomasse als nachwachsender Rohstoff zur energetischen Nutzung erzeugt werden. Hier wird zwischen Energiegetreide, Gräsern mit hohem Biomasseertrag (z. B. Chinaschilf) und schnellwachsenden Baumarten (u. a. Pappeln, Weiden) unterschieden. Bis zum Jahre 2030 können 14 Prozent des deutschen Energiebedarfs durch Biomasse erzeugt werden, und zwar 10 Prozent an Wärme und 15 Prozent an Kraftstoffen für Pkw.
 
Künftige energiepolitische Weichenstellungen forderten eine wirksame und längerfristige Strategie zum Ausbau der energetischen Nutzung von Biomasse in der Europäischen Union. Möglich ist ein verstärkter Einsatz in konventionellen Kraftwerken in Form der Mitverbrennung fester Biomassen. Die ist im Prinzip immer dann wirtschaftlich, wenn die Kosten für Transport und Zufeuerung diejenigen des konventionellen Brennstoffs zuzüglich der zu erwartenden spezifischen „CO2-Kosten“ nicht übersteigen.

Nach wie vor stillen den Energiehunger größtenteils Mineralöle, Erdgas, Stein- und Braunkohle sowie Kernenergie. Förderprogramme, Quoten und politische Vorgaben haben am David-Goliath-Verhältnis bislang nicht ernsthaft gerüttelt. Die hohen (fossilen) Energiepreise machen jedoch die erneuerbaren Energieträger allmählich wirtschaftlich relevant.

Zukunftsträchtig für die Stromerzeugung ist nach Ansicht von Fachleuten die Biomasse-Vergasung. Bei dieser Technik ist vor allem in kleineren Anlagen mit einer Steigerung der Wirkungsgrade zu rechnen. Doch das Brenngas hat seine Tücken; seine Reinigung bereitet Probleme, verlangt hohen technischen Aufwand. Die Stromerzeugung durch Vergasung befindet sich derzeit noch im Demonstrationsstadium. Energetisch nutzbar sind auch Öle und Fette wie in Raps- oder Sonnenblumensaat. Das gereinigte Öl lässt sich in speziellen Motoren als Treibstoff oder zur Erzeugung von Wärme und Strom (Blockheizkraftwerk) einsetzen. Das alles schließt eine programmatische Ausrichtung der Energieforschung mit projektorientierter Förderung für eine nachhaltige Entwicklung mit ein.
 
 
Literatur
 
[1]        Koppe, K.; Juchelková, D.: Nutzung der Biomasse/Využívání Biomasy. Ostrava 2003, ISBN 80-7329-035-9. 112 Seiten.
[2]        Koppe, K.: Termické využívání biomasy – základ zásobování energií s nízkými emisemi CO2. Habilitation VŠB-TU Ostrava 2006. 99 Seiten
[3]        Koppe, K.: Vereinfachte Verbrennungsrechnung biogener Festbrennstoffe. In: ENERGETIKA A ŽIVOTNÍ PROSTŘEDÍ – 2005. Ostrava 2005, Tagungsband, ISBN 80-248-0909-5, S. 105-111
[4]        Bakhiet, A.; Gebauer, K.; Koppe, K.: Untersuchungen zur Vergasung landwirtschaftlicher Abfälle mit dem Ziel der Stromerzeugung. In: ENERGETIKA A ŽIVOTNÍ PROSTŘEDÍ – 2005. Ostrava 2005, Tagungsband, ISBN 80-248-0909-5, S. 82-89
[5]        Bakhiet, A.; Gebauer, K.; Koppe, K.:Vergasung landwirtschaftlicher Abfälle mit dem Ziel der Stromerzeugung. In: Bilitewski, B.; Schnurer, H.; Zechmar-Lahl, B. (Hrsg.): Müllhandbuch. Erich Schmidt Verlag Berlin 2006. ISBN: 3-503-02830-7. Loseblattwerk, 10828 S. Bd. 4 (Kennzahl 7415) S. 1-9
[6]        Bakhiet, A.; Gebauer, K.; Koppe, K.: Thermische Verwertung biogener Rohstoffe. Posterbeitrag P32. 38. Kraftwerkstechnisches Kolloquium Dresden 2006. In: Tagungsband (ohne Seitenangabe)
[7]        Koppe, K.; Hiller, A.; Juchelková, D.; Čech, B.; Skřépek, M.: Ergebnisse diagnostischer Messungen an Wirbelschichtkesseln bei der Co- (Mit-) Verbrennung. In: Vortrag XXXVII. Kraftwerkstechnisches Kolloquium Dresden 2005. In: Tagungsband Teil II. V30 (ohne Seitenangabe)
[8]        Čech, B.; Fibinger, V.; Juchelková, D.: Diagnostische Messmethoden der Wirbelschichtkessel. In: In: Vortrag XXXII. Kraftwerkstechnisches Kolloquium Dresden 2000. In: Tagungsband Teil II. S. 127-133
 
 
 
Manuskripteingang: 9.3.2007
Angenommen am: 2.5.2007

Copyright © Koppe 2009 

 

  
Gewählt bzw. berufen wurden …

….Dr. Klaus Koppe, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Energietechnik der TU Dresden, zum Dozenten für das Fachgebiet Energiemaschinen und –anlagen der VŠB-Technischen Universität Ostrava. 

(Wiss.Z.TU Dresden 56 (2007) Heft 3-4, S. 188)

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